Fütterung

Das Thema Kaninchenfütterung ist eines der schwierigsten und variationsreichsten überhaupt. Neben verschiedenen Artikeln in der Fachliteratur, stehen jede Menge verschiedener Futterkonzepte von erfahrenen Züchtern zur Verfügung.
Fest steht nur, ein "einzig richtiges" Fütterungskonzept gibt es nicht.
Es gibt aber sehr wohl Eckdaten, die einem zeigen, was ein Kaninchen in den verschieden Lebensphasen an Nährstoffen brauchen.

Man unterscheidet grundsätzlich verschiedene Ziele bei der Fütterung:
In der Rassekaninchenzucht ist das einmal die Fütterung zur Mast-und Fleischgewinnung, die Zucht und Aufzucht von Jungtieren und die Erhaltungsfütterung in den Phasen der Zuchtruhe.

Hier unterscheidet man einmal das Grob-oder Wirtschaftsfutter:
Hierzu zählen:
- Grünfutter (Gras, Klee, Kräuter, Laubmischungen,...)
- Saftfutter (Wurzelgemüse, Salat, Obst...)
- Rauhfutter (Heu und Stroh)
- Silage-oder Gärfutter (z.B. aus Gras oder Mais)

Futtermittel Getreide:
Körner stellen ein hochwertiges Kraftfutter dar, wobei den einzelnen Getreidearten verschiedene Eigenschaften nachgesagt werden.
Bei der Fütterung von Getreide gibt es unterschiedliche Meinungen, ob überhaupt und wenn dann wieviel. Auch hier gilt es, dass richtige Maß zu finden.
Rassekaninchen der mittleren bis schweren Rassen erreichen ihr Ausstellungsgewicht meist nicht ohne Kraftfuttergaben und auch in der Phase der Zucht und Aufzucht, ist es unentbehrlich. Einzig in der Phase der Zuchtruhe oder bei Kaninchen, die alleine zu Kuschelzwecken gehalten werden, könnte man auf Kraftfutter gänzlich verzichten.

Futtermittel Fertigfuttermittel:
Die Auswahl an Kaninchenfertigfutter in Pelletform ist groß, die Preispalette unterschiedlich. Es lohnt sich, ähnlich Produkte verschiedener Anbieter zu vergleichen.
Es werden 5 Sorten an Fertigfutter unterschieden:
- Universalfutter
- Alleinfutter für Zuchtkaninchen
- Alleinfutter für Angorakaninchen
- Alleinfutter für Mastkaninchen
- Alleinfutter für Jungtiere nach dem Absetzen

Der Rohproteinanteil sollte bei allen zwischen 16% und 18% sein, der Rohfaseranteil um die 16%. Mit diesem Futter, Heu und Wasser könnte man die Kaninchen ausschließlich ernähren, weil alle Nährstoffe im Fertigfutter vorhanden sind. Aus Kostengründen wird häufig so in der Mastkaninchenzucht verfahren.
Bei Alleinfütterung von Pelletfutter muss immer wieder auf die Wichtigkeit der Bereitstellung von ausreichendem und sauberen Trinkwasser hingewiesen werden.

Die häufigste Fütterungsart in der Rassekaninchenzucht ist die Kombination aus Fertig- bzw. Pelletfutter und Grobfutter. Dies hat zum Teil auch finanzielle Gründe, da Gras im Sommer für viele Züchter kostenlos im Garten zur Verfügung steht, bzw. selbst Gemüse angebaut werden kann.
Die Menge, die pro Kaninchen verfüttert wird, richtet sich nach dem Zweck oder Ziel der Kaninchenhaltung. Um das richtige Maß für die Futtermenge zu finden, kann das zeitweilige Wiegen der Tiere helfen. So erlebt man auch keine bösen Überraschungen kurz vor Ausstellungen, wobei die Tiere entweder bereits über dem zugelassenen Gewicht oder noch weit darunter sind.

Futter sollte grundsätzlich immer frisch sein, Gras darf nass verfüttert werden, darf aber nie gegeben werden, wenn es sich durch zu lange und zu dichte Lagerung bereits erhitzt hat. Jegliches Futter sollte immer schimmelfrei sein.
Futterumstellungen sollten langsam mit kleinen Portionen erfolgen, besonders bei der Umstellung von der Winterfütterung auf das erste frische Grün.

Feste Fütterungszeiten sind für Tier und Mensch gleichermaßen wichtig. Dabei sollten möglichst viele kleine Mahlzeiten angeboten werden, weil es der Natur des Kaninchens eher entspricht. Da aber mit der Berufstätigkeit der meisten nur zwei feste Fütter-Zeiten möglich sind, müssen wir den Tieren entsprechend sollte viel und ausreichend Rauhfutter zur Verfügung stehen. Auch Äste von ungiftigen Laub-und Nadelhölzern, werden gerne genommen, sie sind nicht nur nützlich für die ständig nachwachsenden Nagezähne, sondern dienen dem Kaninchen auch als Abwechselung und Beschäftigung.

Quellennachweis:
"Der Kleintier-Züchter", Kaninchenzeitung, Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG, Jahrgang: 06/2008, 07/2008 und 08/2008

Dorn Karl, "Rassekaninchenzucht", 1981, 4. Auflage, Verlag J. Neumann-Neudamm Melsungen

Lackenbauer Willi, "Kaninchenfütterung", 2001, Oertel und Spörer